Malignes neuroleptisches Syndrom im Zusammenhang mit antipsychotischer Behandlung

Malignes neuroleptisches Syndrom im Zusammenhang mit antipsychotischer Behandlung

Das maligne neuroleptische Syndrom (MNS) ist eine potenziell lebensbedrohliche unerwünschte Arzneimittelwirkung im Zusammenhang mit einer antipsychotischen Behandlung. Es ist gekennzeichnet durch hohes Fieber, Muskelsteifigkeit, autonome Instabilität (z.B. unregelmässiger Puls oder schwankender Blutdruck) und einen veränderten mentalen Status. Laborauffälligkeiten wie erhöhte Werte der Kreatinkinase (CK) werden häufig beobachtet.


Antipsychotika, Aripiprazol, Haloperidol, Levomepromazin, malignes neuroleptisches Syndrom, MNS, Hyperthermie, Muskelsteifigkeit, veränderter mentaler Status, autonome Instabilität

Daten Ereignis

Beschreibung

Fall: 2025
Altersgruppe: Erwachsene
Geschlecht: weiblich
Wirkstoff: Aripiprazol, Haloperidol, Levomepromazin
Indikation: Bipolare affektive Störung (manische Episode)
UAW: Malignes neuroleptisches Syndrom
Outcome: recovered

 

Im Verlauf eines stationären Aufenthalts in der Psychiatrie wegen einer manischen Episode wurde die Aripiprazol-Dosis innerhalb weniger Tage von 12,5 mg täglich auf 30 mg täglich erhöht. Levomepromazin wurde beibehalten und Haloperidol an zwei aufeinanderfolgenden Tagen neu verabreicht.

Es kam zu einer klinischen Verschlechterung bei der Patientin, gekennzeichnet durch Muskelsteifigkeit und eingeschränkte Mobilität. Bei den Vitalzeichen imponierten Tachykardie und erhöhter Blutdruck, bei deutlich erhöhten Kreatinkinase-(CK-)Werten. Später traten auch Fieber und generalisierte Steifigkeit der Extremitäten auf.

Wegen des Verdachts auf malignes neuroleptisches Syndrom wurde die antipsychotische Behandlung abgebrochen und die Patientin auf eine Intensivstation verlegt. Eine Behandlung mit Lorazepam wurde eingeleitet. Die Patientin zeigte eine rasche klinische Verbesserung, mit rückläufigen CK-Werten und Abklingen der Muskelsteifigkeit. Nach zwei Tagen wurde sie ohne Wiederaufnahme einer antipsychotischen Behandlung in die Psychiatrie rückverlegt. 

Fazit und Empfehlung

Bei der Pathophysiologie des MNS spielen vermutlich eine Verringerung der zentralen dopaminergen Aktivität sowie eine Dysregulation des autonomen Nervensystems eine Rolle. Zu den festgestellten Risikofaktoren gehören männliches Geschlecht, Dehydratation, Hypoxie, Polypharmazie, pharmakokinetische Wechselwirkungen, schnelle Dosiserhöhung und Nierenfunktionsstörungen [1].

Die Inzidenz des MNS bei Patienten aller Altersgruppen unter antipsychotischer Behandlung wird auf 0,02 % bis 3 % geschätzt [2]. Generell können alle Antipsychotika ein MNS hervorrufen. Am häufigsten sind Antipsychotika der ersten Generation beteiligt, die im Vergleich zu Wirkstoffen der zweiten Generation mit einem höheren Schweregrad und einer höheren Inzidenz assoziiert sind. Hochpotente Antipsychotika wie Haloperidol gelten sowohl in Monotherapie als auch in Kombination mit anderen Medikamenten als diesbezüglich besonders risikobehaftet [3].

Frühzeitiges Erkennen ist entscheidend, da das unverzügliche Absetzen des/der vermuteten Arzneimittel(s) und die Einleitung einer supportiven Therapie zu einer raschen klinischen Verbesserung führen können. Im Gegensatz dazu kann ein unerkanntes MNS tödlich verlaufen oder bleibende Folgen nach sich ziehen [4, 5].

Medizinische Fachpersonen sollten stets an das Risiko eines MNS denken, insbesondere bei Dosiserhöhungen oder einer antipsychotischen Kombinationstherapie. Patienten unter antipsychotischer Behandlung sollten engmaschig auf erste Anzeichen und Symptome dieser Erkrankung überwacht werden.

Gesetzliche Meldepflicht unerwünschter Arzneimittelwirkungen (UAW) durch medizinische Fachpersonen

In der Schweiz müssen medizinische Fachpersonen, die zur Abgabe oder Anwendung von Arzneimitteln berechtigt sind, schwerwiegende und/oder bislang nicht bekannte Nebenwirkungen melden. Meldungen an Swissmedic können mit dem Elektronischen Vigilance-Meldeportal «ElViS» erfasst und übermittelt werden (ElViS-Login).

Literaturquellen

[1] Tse L, Barr AM, Scarapicchia V, Vila-Rodriguez F. Neuroleptic malignant syndrome: a review from a clinically oriented perspective. Curr Neuropharmacol. 2015;13(3):395–406.

[2] 2. Simon L, Hashmi MF, Callahan AL. Neuroleptic malignant syndrome. In: StatPearls. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2024 [aktualisiert am 19. April 2024; zitiert im April 2026]. Abrufbar unter: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK482282/

[3] Wijdicks EFM, Ropper AH. Neuroleptic Malignant Syndrome. N Engl J Med. 2024 Sep 26;391(12):1130-1138. doi: 10.1056/NEJMra2404606. PMID: 39321364.

[4] Oruch R, Pryme IF, Engelsen BA, Lund A. Neuroleptic malignant syndrome: an easily overlooked neurologic emergency. Neuropsychiatr Dis Treat. 2017 Jan 16;13:161-175. doi: 10.2147/NDT.S118438. PMID: 28144147; PMCID: PMC5248946.

[5] Guinart D, Misawa F, Rubio JM, Pereira J, de Filippis R, Gastaldon C, et al. A systematic review and pooled, patient-level analysis of predictors of mortality in neuroleptic malignant syndrome. Acta Psychiatr Scand. 2021;144(4):329–41.

   


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