Jarisch-Herxheimer-Reaktion unter antibiotischer Behandlung von Spirochäteninfektionen

Jarisch-Herxheimer-Reaktion unter antibiotischer Behandlung von Spirochäteninfektionen

Innerhalb von 24 Stunden nach der Einleitung einer antibiotischen Behandlung von Spirochäten-Infektionen wie Syphilis, Lyme Borreliose oder Leptospirose kann es zu Schüttelfrost, Temperaturanstieg, Kopfschmerzen, Myalgien und Verstärkung von Hautausschlägen sowie weiteren Symptomen kommen, was als Jarisch-Herxheimer-Reaktion bezeichnet wird.

Der Name geht auf zwei Dermatologen zurück, welche diese Reaktionen Ende des 19. Jahrhunderts erstmals nach Behandlung von Syphilis mit Quecksilber-Präparaten beobachtet haben. Die Reaktion beruht auf dem therapiebedingten Zerfall einer grossen Menge von Erregern mit Freisetzung von Lipoproteinen der Spirochäten, die zur Aktivierung des Immunsystems und einer Entzündungsreaktion führen (1).


Cephalosporine, Ceftriazon, Jarisch-Herxheimer-Reaktion, Spirochäteninfektion, Leptospirose

Daten Ereignis

Beschreibung

Jahr: 2015

Altersgruppe: Erwachsene

Geschlecht: weiblich

Arzneimittel: Ceftriaxon

Wirkstoff: Ceftriaxon

Indikation: Verdacht auf Typhus / später Bestätigung einer Leptospirose

UAW: Jarisch-Herxheimer-Reaktion

Outcome: in Erholung

In einem Literaturbericht (2) wird ein Fall von familiärer Leptospirose nach einer Reise in Thailand geschildert. Beim Rafting war Flusswasser geschluckt worden. Der Bericht bezieht sich auf eine 43-jährige Frau, die mit Kopfschmerzen und nicht-blutigem, wässrigem Durchfall, Fieber von 39,8 °C mit Schüttelfrost, Myalgie, Arthralgie und Bauchschmerzen ärztlich vorstellig wurde. Wegen des initialen Verdachts auf Typhus wurde eine empirische Behandlung mit Ceftriaxon eingeleitet. Anschliessend verschlechterte sich die Hämodynamik allmählich und es traten ein vorübergehender makulopapulöser Ausschlag und eine leichte Bindehauthyperämie auf.

Die neue Symptomatik, die Anamnese und die hämodynamische Instabilität nach Einleitung der Behandlung mit Ceftriaxon deuteten auf eine Jarisch-Herxheimer-Reaktion hin. Später konnte eine Leptospirose durch spezifische Labor-Tests bestätigt werden. Der Zustand der Patientin begann sich langsam zu verbessern und die Antibiotikatherapie mit Ceftriaxon wurde ohne Massnahmen fortgesetzt. Der Ausgang der Jarisch-Herxheimer-Reaktion wurde als Verbesserung des Zustands (in Erholung) dokumentiert.

Beim 15-jährigen Sohn der Patientin, der auch an dem Rafting in Thailand beteiligt war, wurde ebenfalls eine Leptospirose festgestellt, und die Behandlung mit Meropenem und Doxycyclin löste auch eine Jarisch-Herxheimer Reaktion aus.

Fazit und Empfehlung

Bei einigen Patienten mit Spirochäteninfektionen kann kurz nach Beginn der antibiotischen Behandlung eine Jarisch-Herxheimer-Reaktion auftreten. Am häufigsten tritt diese Reaktion bei Patienten mit früher Syphilis auf (3). Einzelne Fälle der Reaktion wurden auch im Zusammenhang mit anderen Infektionserkrankungen, wie z. B. Morbus Whipple, berichtet (4).

In der globalen Datenbank der WHO mit Verdachtsmeldungen unerwünschter Arzneimittelwirkungen wurden die meisten Fälle von Jarisch-Herxheimer Reaktionen in Zusammenhang mit Doxycyclin, Ceftriaxon und Benzylpenicillin berichtet.

Die Reaktion hat normalerweise einen selbstlimitierenden Verlauf oder kann symptomatisch behandelt werden. Bei Auftreten einer derartigen Reaktion soll die Antibiotika-Behandlung nicht abgebrochen werden, weil sie ein Anzeichen der Wirksamkeit der antibiotischen Therapie darstellt (5).

Gesetzliche Meldepflicht unerwünschter Arzneimittelwirkungen (UAW) durch medizinische Fachpersonen

In der Schweiz müssen medizinische Fachpersonen, die zur Abgabe oder Anwendung von Arzneimitteln berechtigt sind, schwerwiegende und/oder bislang nicht bekannte Nebenwirkungen melden. Meldungen an Swissmedic können mit dem Elektronischen Vigilance-Meldeportal «ElViS» erfasst und übermittelt werden (ElViS-Login).

Referenzen

  • 1 Butler T. The Jarisch-Herxheimer Reaction After Antibiotic Treatment of Spirochetal Infections: A Review of Recent Cases and Our Understanding of Pathogenesis. Am J Trop Med Hyg. 2017;96(1):46-52.
  • Gallardo C, Williams-Smith J, Jaton K, Asner S, Cheseaux JJ, Troillet N, et al. [Leptospirosis in a family after whitewater rafting in Thailand]. Rev Med Suisse. 2015;11(470):872-6.
  • 3 Workowski KA, Bachmann LH, Chan PA, Johnston CM, Muzny CA, Park I, et al. Sexually Transmitted Infections Treatment Guidelines, 2021. MMWR Recomm Rep. 2021;70(4):1-187.
  • 4 Giger RT, T.; Gross, A.; Guevara Pineda, C.; Berg, J.; Lippuner, N. Morbus Whipple. Swiss Medical Forum. 2016;16(9):219-21.
  • 5 Fachinformation (www.swissmedicinfo-pro.ch)

   


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