Illegale Arzneimittelimporte 2025: Mehr Sendungen, neue Produkttrends und zunehmende Lieferungen aus der EU

17 Prozent mehr illegale Arzneimittelimporte als im Vorjahr registriert

16.02.2026

Swissmedic hat 2025 in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) und weiteren Behörden insgesamt 6’647 illegale Arzneimittelimporte bearbeitet. Während die Zahl sichergestellter Sendungen im Mehrjahresvergleich stabil bleibt, zeigen sich deutliche Verschiebungen bei den importierten Produktarten sowie bei den Herkunftsländern. Die Ergebnisse unterstreichen die anhaltenden Risiken illegaler Arzneimittelimporte für die öffentliche Gesundheit.

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Das BAZG hat an der Schweizer Grenze 6’647 illegale Arzneimittelsendungen festgestellt (2024: 5'668; plus 17 Prozent). Die Zahlen umfassen auch betäubungsmittelhaltige Arzneimittel, deren weitere Bearbeitung in bestimmten Fällen durch die Kantone erfolgt. Von 6’398 durch Swissmedic bearbeiteten Fällen konnten 5’983 (94 Prozent) im vereinfachten Verfahren abgeschlossen werden: Personen, die Arzneimittel aus illegalen Quellen für den Eigengebrauch bestellen, werden verwarnt und die beschlagnahmte Ware wird zum Schutz der Gesundheit vernichtet. Zusätzlich führte Swissmedic 70 ordentliche, kostenpflichtige Verwaltungsverfahren durch.

Verschiebung bei den Produktkategorien

Der Anteil beschlagnahmter Erektionsförderer ist mit 41 Prozent erneut zurückgegangen. Gleichzeitig verzeichneten andere Produktgruppen einen markanten Anstieg: Präparate gegen Haarausfall machten 2025 rund 19 Prozent aller beschlagnahmten Sendungen aus. Hormone (einschliesslich Melatonin) erreichten einen Anteil von zwölf Prozent. Viele dieser Produkte stammen aus den USA und gelangen teilweise über EU-Transitländer in die Schweiz. Weiter wurden Arzneimittel sichergestellt, die ein erhebliches Abhängigkeitspotential aufweisen, darunter Psychopharmaka und Schlaf- / Beruhigungsmittel (acht Prozent) sowie Nasensprays und Abführmittel (fünf Prozent). Besonders bedenklich bleibt der Import von Medikamenten gegen Krankheitserreger, etwa Antibiotika, Antiparasitika und antivirale Arzneimittel (drei Prozent), da deren unkontrollierte Anwendung zur Resistenzbildung beitragen kann.

Zunehmende Lieferungen aus EU-Ländern

Auffällig ist der deutliche Anstieg illegaler Arzneimittelsendungen aus westeuropäischen Ländern. Während 2022 noch 9 Prozent der Sendungen aus Westeuropa stammten, lag dieser Anteil 2025 bei 40 Prozent, insbesondere aus Frankreich und Deutschland. Gleichzeitig gingen die Anteile aus Indien und Osteuropa zurück. Besonders trügerisch sind dabei Angebote ausländischer Webseiten, die sich als vermeintliche Schweizer Online-Apotheken präsentieren. Durch die Verwendung von Schweizer Symbolen, Domain-Endungen oder Logos täuschen sie Konsumentinnen und Konsumenten gezielt, um Seriosität und rechtliche Sicherheit vorzugaukeln – obwohl sie keinerlei Bezug zur Schweiz geschweige denn Bewilligungen für den Versandhandel in der Schweiz haben.

Strafverfahren und Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungsbehörden

Die Abteilung Strafrecht führte 70 Verwaltungsstrafverfahren wegen illegalen Arzneimittelimporten; dies entspricht nahezu einer Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr. Rund zwei Drittel der Fälle betrafen Importe von Erektionsförderern. Sie leitete weitere 145 Fälle, die gemischte Sendungen aus betäubungsmittelhaltigen und anderen Arzneimitteln betrafen, an die zuständigen kantonalen Staatsanwaltschaften weiter. Strafverfahren wurden auch bei wiederholten Bestellungen durch Personen geführt, gegen die bereits im vereinfachten Verfahren vorgegangen worden war.

Schwerpunktaktion: Illegale Zwischenhändler im Fokus

Anfang November 2025 wurden anlässlich einer internationalen Schwerpunktaktion gemeinsam mit dem BAZG, Swiss Sport Integrity (SSI) sowie Vertretern des Fürstentums Liechtenstein 2’117 Sendungen kontrolliert. Davon mussten 27 Prozent beschlagnahmt werden. Rund 40 Prozent der kontrollierten Lieferungen hatten ihren Ursprung in EU-Ländern. Mehr als 500 Sendungen mussten trotz illegaler Herkunft freigegeben werden, da sie die gesetzlichen Kriterien für eine Beschlagnahmung nicht erfüllten. Problematisch waren Lieferungen mit indischen Erektionsförderern, die über kriminelle Zwischenhändler in der EU versandt wurden. Diese Händler teilen grössere Bestellungen gezielt in viele kleine Teilsendungen auf, um unterhalb der für Privatpersonen tolerierten Einfuhrmenge von einem Monatsbedarf zu bleiben. Im Rahmen der Schwerpunktaktion konnten solche Muster erkannt und über 200 Teilsendungen zugeordnet, zusammengeführt und beschlagnahmt werden.

Im Rahmen einer internationalen Schwerpunktaktion beschlagnahmte illegale Arzneimittelsendungen: In Plastikkisten liegen vom BAZG im Auftrag von Swissmedic zurückbehaltene Pakete und Couverts.

Im Rahmen der Schwerpunktaktion konnten zahlreiche aufgesplittete illegale Arzneimittel-Lieferungen identifiziert und beschlagnahmt werden.

Anhaltende Gesundheitsrisiken durch illegale Importe

Der Markt für illegal importierte Arzneimittel passt sich laufend an. Neue Produkttrends, veränderte Lieferwege und professionell organisierte Zwischenhändler erschweren die Kontrolle. Um die Bevölkerung vor den gesundheitlichen Risiken illegaler und nicht geprüfter Arzneimittel zu schützen, bleibt eine starke Marktüberwachung ebenso zentral wie die Aufklärung über die damit verbundenen Gesundheitsgefahren.

Illegale Arzneimittelimporte in die Schweiz im Jahresvergleich

Anzahl illegaler Arzneimittelimporte

Jahr

2022

2023

2024

2025

Anzahl

6'793

6’659

5’668

6'647

Beschlagnahmte Sendungen nach Art der Produkte (in Prozent)

Jahr

2022

2023

2024

2025

Erektionsförderer

79

71

57

41

Mittel gegen Haarausfall *

-

2

4

19

Hormone (dazu gehört auch Melatonin)

5

5

4

12

Schlaf- und Beruhigungsmittel

6

7

10

8

Nasensprays und Abführmittel

4

5

6

5

Schlankheitsmittel *

-

2

4

4

Antibiotika, Antiparasitika, Antivirale

2

2

3

3

Andere Arzneimittel

4

6

12

8

* bis 2022 in «Andere Arzneimittel» enthalten

Herkunft der illegalen Sendungen nach Ländern/Regionen (in Prozent)

Jahr

2022

2023

2024

2025

Westeuropa (v.a. Frankreich, Deutschland)

9

16

25

40

Indien

26

43

25

20

Osteuropa (v.a. Ungarn, Slowakei)

34

17

24

15

Nordamerika

2

6

9

10

Asien (ohne Indien, v.a. Hongkong, Türkei)

27

16

14

9

Übrige Länder

2

2

3

6

Swissmedic: Nationale Zentral- und Kontaktstelle zur Bekämpfung von Heilmittelfälschungen

Swissmedic prüft Meldungen über vermutete illegale Produkte, leitet korrigierende Massnahmen ein, führt Verwaltungsstrafverfahren oder gibt Meldungen an die zuständigen nationalen oder internationalen Behörden weiter.

Ergänzende Informationen