Illegale Medikamenten-Importe 2016: grosses Risiko bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln

Medienmitteilung

Bern, 07.03.2017

Im Auftrag des Schweizerischen Heilmittelinstituts Swissmedic hat der Schweizer Zoll im letzten Jahr 1'028 Sendungen mit illegal importierten Heilmitteln sichergestellt. Die Gesamtzahl liegt damit im Bereich des Vorjahres (2015: 1‘134). Nach wie vor dominieren illegale Importe von Potenzmitteln, gefolgt von Arzneimitteln mit Abhängigkeitspotenzial (Psychopharmaka, Schlaf- und Beruhigungsmittel) und anderen medizinisch wichtigen Medikamenten. Knapp die Hälfte aller Sendungen stammt aus Indien.


Gesundheitlich sehr bedenklich ist die eigenmächtige Einfuhr rezeptpflichtiger Arzneimittel wie Schlafmittel oder Antibiotika. Beunruhigend ist vor allem auch eine kleine, aber im letzten Jahr gestiegene Anzahl beschlagnahmter Medikamente zur Behandlung der Akne. Präparate mit dem Wirkstoff Isotretinoin schädigen das ungeborene Kind und dürfen keinesfalls während der Schwangerschaft angewendet werden. Deshalb muss ein Arzt die Behandlung verordnen und eng begleiten.


Kriminelle Anbieter im Internet werben vor allem über Spam-Mails für ihre vermeintlich seriösen Onlineshops, die beispielsweise «Generika zu günstigen Preisen» anbieten. Geliefert werden in vielen Fällen Arzneimittel mit schweren Qualitätsmängeln, ohne Schachtel oder Packungsbeilage. Damit fehlen Warnhinweise über Nebenwirkungen und Vorsichtsmassnahmen sowie Informationen zur korrekten Dosierung. Gefälschte Arzneimittel sind häufig zu hoch oder zu niedrig dosiert, enthalten falsche, nicht deklarierte oder gar keine Wirkstoffe.

Ärztliche Verschreibung bedingt persönlichen Kontakt zwischen Patienten und medizinischen Fachpersonen

Die Einnahme verschreibungspflichtiger Arzneimittel ohne ärztliche Begleitung gefährdet die Gesundheit. Verschreibung und Abgabe von rezeptpflichtigen Medikamenten dürfen nur unter ärztlicher Kontrolle erfolgen. Bei gesundheitlichen Beschwerden wie zum Beispiel längerdauernden Schlafstörungen, hartnäckigen Infekten oder starker Akne soll immer ein Arzt oder eine Ärztin aufgesucht werden.


Herkunft der illegalen Importe nach Kontinenten/Ländern

 20162015
Indien48 %
42 %
Westeuropa (u.a. UK, Deutschland, Portugal)21 %
18 %
Asien (ohne Indien, v.a. Thailand, China, Singapur, Kambodscha)13 %
24 %
Osteuropa9 %
8 %
Übrige Länder9 %
8 %

 

Beschlagnahmte Sendungen nach Art der Produkte

 20162015
Erektionsförderer55 %51 %
Schlaf- und Beruhigungsmittel13,5 %15 %
Medizinisch wichtige, rezeptpflichtige Arzneimittel13 %9 %
Schlankheitsmittel5 %13 %
Haarwuchsmittel2,5 %
1 %
Andere11 %12 %

(Alle Angaben gerundet)

 

 

Beim Bezug von Arzneimitteln aus unbekannter Herkunft über das Internet besteht keine Gewähr, dass wirklich «drin ist, was draufsteht». Die Einnahme von gefälschten Medikamenten schlechter Qualität ist immer ein grosses Gesundheitsrisiko. Wer solche Angebote nutzt, riskiert nebst seiner Gesundheit Kosten und in gravierenden Fällen zusätzlich ein Strafverfahren.

Swissmedic warnt vor dem Bezug und der Anwendung von nicht zugelassenen Medikamenten, die per Inserat, Werbe-E-Mails oder über das Internet angepriesen werden. Bei solchen Produkten, namentlich auch bei Präparaten aus dem asiatischen Raum, bestehen in der Regel keine oder nur ungenügende Angaben zu möglichen Risiken.

Nur bei Arzneimitteln aus kontrollierten Bezugsquellen ist gewährleistet, dass die Qualität den Anforderungen und Erwartungen entspricht und die Gesundheit nicht gefährdet wird.